CONNY MAIER
Searching for Paradise
21.10.2026 – 17.01.2027

Man darf sagen, dass die Staatliche Graphische Sammlung mit der Künstlerin Conny Maier eine im internationalen Kunstbetrieb selten anzutreffende authentische und zugleich unkonventionelle Position vorstellt. Ihr malerisches und zeichnerisches Werk bestechen durch die Eigensinnigkeit der künstlerischen Handschrift.

Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, dass ihre Bildsprache die Gestimmtheit des frühen Expressionismus zitiert, insbesondere den des Münchner Blauen Reiters, währenddessen ihre Farbpalette ein subtiles altmeisterliches Kolorit annehmen kann. Durchkreuzt wird dieser schöne Schein von ästhetischen Ausbrüchen, die der Art brut nahestehen und ihren Motiven immer etwas Wildes und Archaisches geben. Ihre rätselhaften Szenerien sind bestimmt von Archetypen, die elementare Formen der zwischenmenschlichen Begegnung durchspielen. Sie spiegeln die seit der klassischen Antike in den Künsten beherrschenden Themen der großen Emotionen von Liebe, Angst und Zorn.

Conny Maier, Hitze (nach Waldbrand von Johann Christian Dahl), 2025, Öl, Pigmente und Ölstift auf Leinwand, 30 x 24 cm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Trevor Good
Conny Maier, Birne, alt, 2026, Ölstift, 
290 x 210 mm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München
Conny Maier, Hund, Hase & Jäger, 2026, Ölstift,
 290 x 210 mm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München
Conny Maier, Wildrosen, 2026, Öl, Pigmente und Ölstift auf Leinwand, 30 x 24 cm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Trevor Good

Conny Maier wird die Ausstellungsräume in eine überzeitliche Weltenlandschaft sowie in einen verwunschenen Klostergarten verwandeln. Sie könnten als irdisches Paradies betrachtet werden, würde dabei nicht das Gefühl aufkeimen, dass sie sich zu einer Apokalypse auswachsen. Die Themen des Ungewissen und Unheimlichen sprechen aus allen ihren Werken. Bei aller Vertrautheit der Sujets vermitteln die Bilder den Eindruck, dass sie eine zweite Lesart besitzen, hinter der sich Abgründe auftun. War die Natur in ihren Figurenbildern bisher immer eine Begleitstimme, so stellt Conny Maier sie in ihrem Münchner Ausstellungsprojekt vollends in den Fokus ihres Interesses.

Bereits im Herbst 2024 hat Conny Maier mit einer befreundeten Botanikerin für ihr Münchner Ausstellungsprojekt in Brandenburg intensiv Studien in der Natur betrieben. Die Arbeitsergebnisse hat sie später in Portugal in ihrem Atelier ausgewertet und daraus in Storyboards mögliche Themenkreise für ihr Projekt entworfen. Im Studiensaal der Staatlichen Graphischen Sammlung wurde das Motivvokabular dieser Feldforschungen von ihr um klassische kunsthistorische Motive erweitert. Im Fokus standen ungewöhnliche Pflanzendarstellungen quer durch die Kunstgeschichte, die Eingang in ihre Motivik fanden und in ihre Bildsprache übersetzt sowie paraphrasiert wurden.

Conny Maier, Biene 1, 2026, Ölstift, 290 x 210 mm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München
Conny Maier, Tanne, 2026, Kobaltglasur auf Keramik, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: SGSM

Neu wird sein, dass Conny Maier vor dem Hintergrund dieser Studien ihre zeichnerischen und malerischen Studien allegorisch und mythologisch auflädt, so dass man sich an rätselhafte Motive mittelalterlicher Gobelins oder barocker Festausstattungen erinnert fühlt. Schon in diesen historischen Vorbildern überbrachte die mit Bedeutung aufgeladene Pflanzenwelt freudvolle oder auch unliebsame Botschaften, wenn man die Symbole und Zeichen zu lesen verstand. Daneben richtet die Künstlerin in der Rotunde ganz im Stile der barocken Festkultur einen mit blauweißen Fliesen geschmückten Salon ein, in dem die Besucher verweilen und sich in märchenhaften Bildmotiven wie in einem Gartenlabyrinth verlieren können.

 

Conny Maier, Waldweg (nach A. v. Jawlenski), 2025, Öl, Pigmente und Ölstift auf Leinwand,
 30 x 24 cm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Trevor Good
Conny Maier, Alpen Akkelei im Abend, 2026, 
 Oil, pigments, oil stick on canvas, 30 x 24 cm, Courtesy the artist, Société, Berlin and Hauser & Wirth, Foto: Trevor Good

Mit Staunen kann man hautnah erleben, dass Conny Maier mit ihrem Ausstellungsprojekt Searching for Paradise in der Pinakothek der Moderne in ihren Zeichnungen, Malereien und Fliesenbildern Weltenlandschaften ausbreitet, die jedes Blumenstillleben erblassen und die Besucher zu Schmetterlingsfängern, Botanikern und Naturschützern werden lassen.

Michael Hering